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Schloss Wellenburg im Winter

Das Fuggerschloss Wellenburg steht in der Nähe von Augsburg auf einer bewaldeten Anhöhe. Nachdem ich in der angrenzenden Schlossgaststätte geheiratet hatte, wollte ich dem Schloss ein Portrait widmen.

Im Folgenden schildere ich den Entstehungsprozess des Ölgemäldes "Schloss Wellenburg im Winter".

 

Gemälde vom Schloss Wellenburg im Winter von Karl J. Fuchs
Schloss Wellenburg im Winter, Öl auf Leinwand, Format 60x80 cm, Karl J. Fuchs

"Schloss Wellenburg im Winter", Öl auf Leinwand, Format 60*80 cm, Karl J. Fuchs

 

Die Wellenburg existierte schon vor dem 13. Jahrhundert. Die Burg wurde mehrfach zerstört und wieder aufgebaut - zwischenzeitlich wurde sie sogar von Raubrittern bewohnt, die von da aus Augsburgs Handelswege überfielen. Während eines der Raubzüge gelang es den Augsburgern, die Restmannschaft zu überwältigen und die Burg zurückzuerobern. 

1513 wurde die Burg in ein Lustschloss umgebaut und 1595 von Jakob Fugger III. erworben. Es befindet sich seitdem im Privatbesitz der Familie Fugger -  Babenhausen (Quelle Wikipedia).

 

Das Lustschloss hatte anfangs Zwiebeltürme, wie man auf folgender Illustration erkennen kann:

 

Schloss Wellenburg als Lustschloss, Illustration
Schloss Wellenburg als Lustschloss, Illustration

Später wurden die Zwiebeltürme durch Spitzdächer ersetzt, wie auf dieser Postkarte von 1913 zu sehen ist (© www.ansichtskarten-center.de):

 

Fuggerschloss Wellenburg Postkarte 1913
Fuggerschloss Wellenburg Postkarte 1913

Schließlich entfernte man die Spitzdächer ganz. Heute sieht das Schloss so aus:

 

Schloss Wellenburg vom Feld aus betrachet
Schloss Wellenburg vom Feld aus betrachet

Nach einigen Kompositionsstudien entschied ich mich, das Schloss aus der Vogelperspektive darzustellen. Dadurch wird die erhabene Position des Schlosses über die umliegenden Ländereien betont. Zugleich sieht man auch zwei der Nebentürme.

 


Um möglichst viele Informationen für die Konstruktion der Zeichnung zu erhalten, machte ich Fotos von der hinteren Schlossmauer aus, von der man recht viel des Schlosses sehen kann. 

So sieht das Schloss aus der Nähe aus:




Der Turm mit der Fahne ist vom Blickwinkel meines Gemäldes aus nicht erkennbar, man sieht nur die Fahne.

 

Die Zeichnung des Schlosses wird mit Bleistift statt mit Pinsel auf die Leinwand gezeichnet, da ich nur so die achteckige Grundform des Hauptturmes exakt festhalten kann. Danach male ich erstmal den Untergrund des umliegenden Waldes und grobe Strukturen des Hintergrunds.



Der Fokus des Bildes ist der Hauptturm - deshalb male ich ihn gleich als erstes im Detail. Ich reduziere die Kontraste und Details hinter dem Turm absichtlich, um ihm nicht das Rampenlicht zu stehlen. 

Auch farblich wird der Turm betont: das Gelb kommt auf dem blau-grauen Hintergrund noch mehr zur Geltung.



Ich hatte mir das Ziel gesetzt, das Schloss detailreich und akkurat darzustellen und dennoch einen malerischen, freien Duktus zu erhalten. 

Um die malerische Optik auch bei glatten, einfarbigen Flächen wie den Schlossmauern oder dem Dach zu erreichen muss man aktiv für Variation sorgen. Ich setze dazu kühle und warme Farbtöne gleicher Helligkeit nebeneinander. 

 

Hier sind einige Bildausschnitte die dieses Prinzip verdeutlichen:



 

Mein Prinzip ist es, dass ich einen Ring über das Bild fahren kann und immer mindestens zwei Farbtöne im Ring zu sehen sind. Dadurch bleibt das Bild auch beim Betrachten aus nächster Nähe interessant. 

Das Motiv des Schlosses löst sich dann in ein Gewebe aus abstrakten, also vom Motiv unabhängigen, Pinselstrichen auf.

 

Hier sind einige Bildausschnitte, die den abstrakten Charakter der Pinselstriche zeigen:

 


 

Der gewählte Blickwinkel auf das Schloss ergibt eine Zweipunktperspektive. Das bedeutet, dass sich die Gebäudekanten in zwei Fluchtpunkten, die auf der Horizontlinie liegen, treffen:



Um die Illusion großer Ferne zu erhöhen, habe ich im Hintergrund einige diagonal verlaufende Baumreihen angedeutet. Diese Baumreihen dienen sozusagen als kleine "Raumteiler", die dem Gehirn mitteilen: erst kommt ein Feld, dann Bäume, und dahinter wieder ein Feld. Hier sind sie hervorgehoben dargestellt:


Auch wenn der Betrachter wahrscheinlich nie bewusst auf diese Bäume schauen wird - ohne sie wäre die Illusion einer flachen Ebene, die sich kilometerweit nach hinten streckt nicht so direkt erkennbar.

 

Ein weiteres Mittel, um Vorder-, Mittel- und Hintergrund voneinander abzugrenzen ist, mit Licht und Schatten zu arbeiten: Das Schloss im Vordergrund ist von der Nachmittagssonne angestrahlt, die Felder im Mittelteil des Bildes liegen im Schatten einer Wolke, und im Hintergrund scheint wieder die Sonne.

    


Der Himmel stimmt mit der wechselhaften Beleuchtung des Bodens überein - zwischen wandernden Wolkenfetzen sind Streifen des klaren Himmels sichtbar:


 

Als letztes kommen noch einige kleine Details wie Reflexionen in den Fenstern und die Flagge der Fugger. 

Eine Anwohnerin hat mir erzählt, dass die Flagge immer dann gehisst wird wenn der Fürst anwesend ist. Damit mein Schloss nicht leer steht, habe ich also auch im Bild die Flagge gesetzt:


      

Anschließend nochmal das fertige Bild: 

 

Gemälde vom Schloss Wellenburg im Winter von Karl J. Fuchs
Schloss Wellenburg im Winter, Öl auf Leinwand, Format 60x80 cm, Karl J. Fuchs

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