Ein Bild ist ein Kunstwerk, nicht weil es „modern“, noch weil es „antik“ ist, sondern weil es ein  Ausdruck menschlichen Gefühls ist. 

John F. Carlson (1875 - 1947), amerikanischer Landschaftsmaler

 

Ich bin ein Landschaftsmaler aus Augsburg. Von Kindesbeinen an habe ich gezeichnet und gemalt, früher vor allem Dinosaurier und Geisterburgen. Beim Wandern und Klettern in den Alpen bekam ich mehr und mehr das Bedürfnis, die Landschaften und flüchtigen Lichtstimmungen irgendwie festzuhalten. Da meine Fotografie - Kenntnisse so gar nicht zufriedenstellend waren, fing ich mit der Ölmalerei an.

 

Am liebsten male ich draußen im Freien, "en plein air". Oft malen sich die Bilder dann wie von selbst, wenn man draußen in Wind und Wetter steht und das Motiv vor einem einfach so toll ist dass man gar nicht viel falsch machen kann.

 

Aber auch die Studioarbeit hat ihren Reiz: man kann Orte erschaffen die es nicht gibt, und Dinge darstellen die im Freien bestenfalls als schnelle Studie erfassbar sind, wie Nebel, Mondlicht oder Sturm. Außerdem sind Bilder größeren Formats möglich, was draußen ziemlich schwierig ist. Oft basieren meine größeren Studiobilder auf einer oder mehreren kleinen Plein-Air Studien.

 

Anfangs empfand ich es noch als lästig, dass sogar eine kleine Ölskizze schnell mal eine Stunde Zeit benötigt, während ein Foto so viel schneller gemacht ist. Mittlerweile sehe ich die Langsamkeit des Malens als wichtigen Faktor: sie "zwingt" mich, nicht gleich weiter zu gehen, sondern einfach mal hier zu bleiben und zur Ruhe zu kommen. Man beginnt, genauer hinzusehen und erkennt mehr und mehr Farbabstufungen und unerwartete, neue Formen. Die Gemütslage, in der man eben noch war, verschwindet nach und nach und wird durch die Stimmung dieses Ortes ersetzt. 

 

Diese Stimmung will ich festhalten. Es geht mir nicht so sehr um eine exakte, wirklichkeitsgetreue Darstellung, sondern darum, meine innere Wahrnehmung eines Ortes abzubilden. 

Vor jedem Bild stelle ich mir eine Kernfrage: was ist der erste und stärkste Eindruck, den du an diesem Ort empfindest? Diesen ersten, intensiven Impuls  will ich erhalten - zuerst innerlich, und dann auf der Leinwand.

 

Das kann zum Beispiel die Klarheit und Kühle der Luft sein, die alle Texturen rauh und prägnant erscheinen lässt. Oder die Abgeschiedenheit und Stille einer Waldlichtung. Es kann aber auch ein rein optischer Reiz sein, wie zum Beispiel hell angestrahlte Birken vor dunkelgrauen Sturmwolken.

 

Das Malen ist für mich ein Weg, mich mit der Natur zu befassen und meine Empfindungen mit anderen zu teilen. 

Ich denke, dass wir trotz wissenschaftlichen Fortschritts niemals jedes Geheimnis der Natur verstehen werden. Doch ist das gar nicht nötig, denn die sie hat uns mit der Fähigkeit ausgestattet, ihre Schönheit wahrzunehmen.